Steuerexperte kritisierte neue Regierungsmaßnahmen: „Das ist faktisch eine Steueramnestie“
Steuerexperte Kemal Özçakır hat die Regierungsverordnungen zu nicht ausgeschütteten Unternehmensgewinnen und Steuerabzügen kritisiert und erklärt, dass die neuen Maßnahmen sowohl aus technischer als auch aus rechtlicher Sicht erhebliche Fragen aufwerfen.
In der Sendung „Parapolitika“ bei Cyprus TV sagte Özçakır, die Geschäftswelt sei seit vielen Jahren mit dem Dividendensteuersystem unzufrieden. Seinen Angaben zufolge zahlen Unternehmen zunächst die Körperschaftsteuer, woraufhin von dem verbleibenden Gewinn weitere 15 % Steuer einbehalten werden. Werden Dividenden mit anderen Einkünften zusammengefasst, kann die gesamte Steuerlast 37 % erreichen.
Der Experte erinnerte daran, dass gemäß der neuen Regierungsverordnung die Angelegenheit unter der Bedingung einer Vorauszahlung von 7,5 % des angesammelten Gewinns, der in der Bilanz des Unternehmens zum 31. Dezember 2025 ausgewiesen ist, abgeschlossen werden kann.
„Sie verzichten auf 37 %, dann auf 15 % und akzeptieren 7,5 %. Im Grunde ist das eine Steueramnestie“, sagte Özçakır.
Er kritisierte außerdem die Formulierungen im Amtsblatt und betonte, dass der Begriff „nicht deklarierte Steuer“ unzutreffend sei. Nicht deklariert sein könne, so seine Aussage, ein Einkommen, nicht aber die Steuererträge selbst.
Darüber hinaus sprach sich Özçakır gegen die Gleichsetzung von Dividenden mit Zinserträgen aus und wies darauf hin, dass die Gewinne von Unternehmen im Gegensatz zu festen Zinszahlungen erheblich schwanken können.
Der Experte kommentierte auch die Ausweitung des 5-prozentigen Rabatts bei vorzeitiger Steuerzahlung. Während diese Vergünstigung zuvor nur für steuerlich korrekte Steuerzahler galt, können nun auch diejenigen davon profitieren, die zuvor ihre Zahlungsfristen versäumt haben, sofern sie die Vorauszahlung an den festgelegten Terminen leisten.
Nach Ansicht von Özçakır zielt diese Entscheidung vor allem darauf ab, den Einzug ausstehender Forderungen zu beschleunigen.
Separat ging der Experte auf den Anstieg der Einkäufe von Einwohnern der TRNZ im Süden der Insel ein. Er bezeichnete die Schätzungen eines Haushaltsverlusts von 500 Millionen Euro als überhöht, räumte jedoch ein, dass die hohen Preise und der schwache Wettbewerb die Verbraucher dazu veranlassen, Einkäufe außerhalb der TRNZ zu tätigen.
Abschließend betonte Özçakır die Notwendigkeit struktureller Wirtschaftsreformen und warnte, dass die Staatsverschuldung ohne eine realistischere Haushaltspolitik weiter steigen werde.
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